Die Wolfacher Fasnet

Unter den bekannten Narrenorten des schwäbisch‑alemannischen Raums nimmt Wolfach mit seiner über 200‑jährigen Tradition der Fasnetspiele, seinen z. T. nur hier vorkommenden Umzügen und seinen Narrengestalten einen besonderen Rang ein.

In Halbmeil, St. Roman und Kirnbach entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten eine eigenständige Fasnetskultur mit Bezügen zu örtlichen Sagen und Überlieferungen.

Zwei der 12 Wolfacher Umzüge,  die vom Fasnetausrufen am Vorabend des "Schmutzigen" bis zur Geldbeutelwäsche am Aschermittwoch reichen, möchten wir besonders hervorheben.

Der eine ist der "Wohlauf", das Narrenwecken in der Frühe des "Schel­lenmontags", wie der Rosenmontag hier heißt.  In seinem rollenden Bett wird der "Wohlaufmann" durch die Stadt gefahren und an den Stel­len, an denen früher der Nachtwächter sang, gibt er sein Wohlauflied zum Besten. Seine Begleiter sind hunderte von Narren in weißen Nachthemden und Zipfelmützen, die mit ihren Krachinstrumenten auch dem letzten Schläfer klarmachen, daß die Fasnet an ihrem Höhepunkt angekommen ist.

Der zweite ist der "Nasenzug" am Fasnetsdienstag (sagen Sie niemals Nasen"um"zug), bei dem sich Wolfachs Männerwelt mit "letzem Kittel" (auf links gewendete Jacke), Hut mit daran befestigtem Holzspan und allen nur erdenklichen Krachinstrumenten hinter dem Nasenzugführer im Gänsemarsch aufmacht, durch alle Winkel, Gassen und Beizen vom Stadttor bis zur Vorstadt zu ziehen. Seinen Namen hat dieser Brauch von den Nasen, die sich die Teilnehmer dabei umbinden und an­­­­­stecken. Hier sind der Fantasie wirklich keine Grenzen gesetzt und es ist erstaunlich, welche Nasenkreationen dabei jährlich zu bewundern sind. Am Stadtbrunnen kommt der entscheidende Moment für alle weib­lichen Wesen, die es wagten, sich unter die Männer zu mischen. Werden sie trotz ihrer Verkleidung erkannt, landen sie unter dem schadenfrohen Gelächter der Zuschauer im kalten Wasser des Brunnens.